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Ich
heiße Olivia von Illyrien und bin 22 Jahre alt. Ich bin verliebt in Cesario;
er ist schön, eloquent und besonders interessant, weil er mir nicht zu Füßen
liegt.
Wenn
Malvolio mal wieder zu langsam auf meine Anweisungen reagiert, versuche ich
ihn mit einer scheuchenden Handbewegung anzutreiben, ab und zu fasse ich mir
an den Schleier, ich stehe oft da wie eine Statue.
Meinen
Kopf halte ich meist hoch erhoben und leicht seitwärts gedreht, ich gehe
aufrecht, beinah schreitend oder, wenn ich in Eile bin, mit kleineren
Schritten, den Oberkörper leicht vorgebeugt.
Meine
Stimme hat einen arroganten, harten und leicht spöttischen Unterton, aber ich
habe keine Sprachfehler.
In
meiner Freizeit gehe ich gern mit Maria spazieren, schwimme im Sommer gerne
nachts alleine im See und spiele mit meinen Puppen. Bei all diesen Tätigkeiten
kann ich zur Ruhe kommen, muss auf nichts und niemand Rücksicht nehmen und
kann meine Gedanken ganz auf das lenken, was ich tue, damit sie sich nicht
immer im Kreis drehen.
Mein
wichtigstes Kleidungsstück ist der Schleier, weil er mich vor der Welt schützt
und mir einen Rückzugsort bietet, ansonsten mag ich eigentlich alle meine
Kleider. Ich spiele gerne mit meinen Porzellanpuppen.
Am
liebsten esse ich Perlhuhn mit frischem Gemüse und trinke klares, stilles
Wasser oder süßen Rotwein.
Mein
Motto ist „Ich wünschte, du wärst so wie ich dich haben will!“, weil ich
es gewohnt bin, dass geschieht, was ich will und es mich irritiert, wenn das
nicht der Fall ist.
Ich
hasse ungebührliches Verhalten, schlechte Gerüche, schrumpelige Finger nach
den Baden, Frieren beim Aufstehen und Nacktschnecken.
Die
größte Niederlage meines Lebens war, dass ich meinen Bruder nach seinem
Unfall nicht retten konnte.
Mein
größter Traum ist innere Ruhe und Geborgenheit, bei der ich mir meine Unabhängigkeit
bewahren kann.
Ich
habe Angst, dass zu verlieren, was mich ausmacht, wie Stolz, Schönheit, Ehre,
Reichtum und Sicherheit. Außerdem fürchte ich mich vor Krankheit, stechenden
Insekten und Schlangen.
Mit
noch mehr Geld würde ich meinem Onkel Toby ein Haus und Bedienstete sehr weit
weg kaufen.
Abgesehen
von gelegentlichem Schwermut und Stimmungsschwankungen bin ich gesund.
Ich
verbringe die meiste Zeit mit Maria, weil sie für mich fast eine Freundin
ist.
Mein
Ziel im Stück ist Cesario für mich zu gewinnen, weil er mich sehr fasziniert
und ich ihn „haben“ will. Die Anträge des Herzogs nerven mich aber, das
muss endlich aufhören.
Fabienne
kann ich nicht leiden, weil sie ungeheuer frech, dreist und anmaßend ist.
Ich
fühle mich Cesario und Maria am meisten verbunden. Mit Maria habe ich schon
so manches erlebt und ihr auch Dinge erzählt, die sonst keiner weiß. Cesario
scheint mir mir ähnlicher zu sein als der erste Blick vermuten lässt.
Malvolio
ist als Haushofmeister unersetzlich und sorgt in meinem Haus für Zucht und
Ordnung, bisweilen ist jedoch etwas aufdringlich. Viola ist mir zunächst
nicht willkommen, weil sie als Orsinos Bote kommt, sie fasziniert mich aber
schnell und ich versuche (im Glauben, sie sei ein Mann), sie für mich zu
interessieren und zu gewinnen. Schließlich liebe ich sie eben als Schwägerin.
Ich
liebe meine Heimat Illyrien, das Land meiner Ahnen, aber manchmal erscheint
mir hier alles eng und stickig (wenn ich von Boten des Herzogs belagert werde,
von Cesario zurückgewiesen werde oder mich einsam fühle). Nach der Hochzeit
mit Sebastian ist Illyrien für mich der siebte Himmel.
Liebe
ist wohl eines der mächtigsten Dinge dieser Welt. Sie ist gefährlich,
unberechenbar und macht schwach. Nichtsdestotrotz suche
und strebe ich nach Liebe, weil ich glaube, dass sie wirklich glücklich
machen kann.
Ich
würde gern ein langes Gespräch mit Cesario führen, um ihm meine Gefühle
klarzumachen und ihn von mir zu überzeugen.
Ich
würde Sir Toby, meinen Onkel, gerne ins Meer werfen, weil er ein Schmarotzer
und Saufbold ist und eine Abkühlung ihm sicher gut täte.
Messalina
ist schon lange mit Illyrien verfeindet, in Zeiten der Waffenruhe interessiert
es mich aber nicht sonderlich. Illyrien
bedeutet für mich Heimat, Kindheitsort, fester Boden unter den Füßen,
goldener Käfig, Glashaus. Ich
zähle schon die Tage, bis die illyrischen Modeschauen beginnen. (Eine
Kollektion meines Lieblingsdesigners ist mir gewidmet!)
Wenn
ich Musik höre, schwelge ich in Erinnerungen, tanze heimlich oder bekomme
Lust, barfuß über eine Sommerwiese zu laufen.
Liebe
ist einfach unbegreiflich.

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