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Ich
bin Viola di Fumero, 23 Jahre alt.
Bei unserem Schiffbruch habe ich meinen Bruder Sebastian verloren und weiss
nicht, ob er überhaupt noch lebt, jetzt bin ich hier in Illyrien ganz alleine
und verkleide mich als Mann um am Hof des Herzogs Orsino akzeptiert zu werden
und für ihn arbeiten zu können.
Seit ich den Herzog das erste Mal gesehen habe, fühle ich mich schon zu ihm
hingezogen, es hat jedoch eine Weile gedauert, bis ich mir selbst eingestanden
habe, dass ich ihn liebe. Ich glaube, wir haben sehr viel gemeinsam, wir
teilen die Liebe zur Musik und haben glaube ich eine ähnliche Vorstellung von
Liebe. Wenn ich ehrlich zu ihm sein könnte, könnten wir uns sicher
stundenlan unterhalten.
Als sein Diener kann ich viel Zeit mit ihm verbringen, es fällt mir
allerdings wahnsinnig schwer, meine Gefühle zu verheimlichen, gerade, wenn
Orsino mit mir über die Liebe spricht, würde ich am liebsten endlich über
meine Gefühle reden… Es ist so schwierig, wenn es niemanden gibt, dem man
sich anvertrauen kann!!
Gott sei Dank versteht Orsino die Andeutungen nicht, die manchmal aus mir
herausbrechen, weil er denkt, ich sei ein Mann, also käme er nie auf die
Idee, ich würde über ihn sprechen.
Zu allem Unglück beauftragt Orsino mich dauernd, die Gräfin Olivia
aufzusuchen, und zu versuchen, sie mit ihm zu verkuppeln, weil er sie
supertoll findet. Es fällt mir total schwer, Orsinos Anliegen bei Olivia überzeugend
rüberzubringen, weil ich das ganze ja gar nicht will, ich liebe den Herzog ja
selbst, und außerdem finde ich, dass Olivia überhaupt nicht zu ihm passt.
Sie ist viel zu oberflächlich und wahnsinnig arrogant, ich glaube sie kennt
keinen Unterschied zwischen lieben und besitzen, das würde Orsino bestimmt
auch schnell merken, falls er mit ihr zusammen kommen sollte.
Orsino ist viel feinfühliger und sensibler, und hat einen Sinn und
Gespür für Poesie, Musik… Und wenn er mir in die Augen schaut… ich könnte
mich stundenlang in seinen Augen verlieren, in diesem Blick ist so viel Tiefe,
so viel Gefühl… Auch wenn das
paradox klingt, weil Orino ja gar nicht die Wahrheit über mich weiss, bin ich
mir sicher, dass ich mich noch nie jemandem so verbunden und so nahe gefühlt
habe. Neben dem, was ich für ihn fühle, kommt mir plätzlich alles so banal
vor, was ich sonst für Liebe gehalten habe…
Seit ich in diesen Männerkleidern stecke, habe ich die Angewohnheit
entwickelt, sie ständig anzufassen, oft hilft mir das, überzeugender von mir
als Mann zu sprechen, manchaml passiert es auch unbewusst. Ich habe ein
gespaltenes Verhältnis zu dieser Verkleidung – einerseits hindert sie mich
daran, vom Herzog als Frau erkannt und geliebt zu werden, andererseits brauche
ich sie unbedingt, um überhaupt in seiner Nähe zu sein, denn er hat nur männliche
Angestellte, und wer weiss, ob ihn ohne diese Verkleidung überhaupt
kennengelernt hätte.
Ich gehe oft etwas geduckt mit eingezogenem Kopf, es gehört sich für einen
Diener, seine Stellung des Untergebenen auch in seiner Körpersprache deutlich
zu machen. Außerdem habe ich, vor allem unter vielen Leuten, immer etwas
Angst, doch als Frau enttarnt zu werden, wenn jemand misstrauisch wird. Es
schwingt bei allem, was ich tue, immer ein bisschen das Gefühl mit, etwas
verstecken zu müssen. Ich fühle mich oft passiv und ausgeliefert, hin- und
hergeschubst von meinen eigenen Gefühlen, und von den Erwartungen und
Forderungen, die andere an mich richten. Unglücklicherweise verliebt sich nämlich
Olivia ausgerechnet in mich, und so habe ich das Gefühl, ohne es zu wollen
gleichzeitig dem Orsino und Olivia das Herz zu brechen.
Als sich am Ende endlich alles aufklärt und alle Missverständnisse aus dem
Weg egräumt sind, merke ich erst so richtig, wie groß der Stein war, der mir
jetzt vom Herzen fällt.
Mein
liebstes Kleidungsstück ist das blaue Kleid, das ich bei meiner Ankunft in
Illyrien trage, weil es das einzige Stück Heimat ist, das mir geblieben ist,
auch wenn ich es leider nicht tragen kann, solange ich in meiner Männerrolle
stecke.
Eine große Schwäche habe ich für Erdbeeren, am liebsten mit viel Sahne, und
da Orsino sehr reich ist, komme ich an seinem Hof glücklicherweise ab und zu
in diesen Genuss. Ein Lieblingsgetränk habe ich nicht.
Als
mein „Motto“ würde ich die Textstelle „Ich bin nicht, wer ich bin“
bezeichnen. In diesem Satz kommt mein ganzes Dilemma zum Ausdruck. Ich kann
nicht sein, wer und wie ich eigentlich bin. Diesen Satz kann ich jedoch sagen,
ohne mein Geheimnis direkt preizugeben, da er nicht eindeutig sagt, was genau
ich meine.
Zu
einer Art Hobby ist es für mich geworden, am Strand zu sein, spazieren zu
gehen oder nur zu sitzen, am liebsten bei schlechtem Wetter und Regen. Es ist
irgendwie bescheuert, weil dann zu allem Schmerz über meine unerfüllte Liebe
zu Orsino auch noch alle Erinnerungen an den Schiffbruch und den Verlust
meines Bruders wiederhochkommen, aber irgendwie zieht es mich immer wieder
dorthin. Am schönsten ist es, ganz alleine am Meer zu sein, nirgends sonst
habe ich das Gefühl, unbeobachtet zu sein. Es ist so paradox, aber obwohl
mich in dieser Einsamkeit so viele Gefühle und Erinnerungen und auch so viel
Schmerz überkommen, fühle ich mich dadurch frei… Alle diese Gefühle kann
ich ja sonst nie wirklich zulassen…
Auch die Musik ist für mich sehr wichtig geworden, oft ist es so, als ob alle
meine Gefühle in einer Melodie
zum Ausdruck kommen und – auch das klingt etwas seltsam – ich fühle mich
von einem Lied verstanden. Da ich niemanden habe, mit dem ich ehrlich sprechen
kann, brauche ich die Musik umso mehr.
Am
meisten hasse ich eigentlich Lügen, sowohl gegenüber anderen als auch gegenüber
sich selbst, umso schlimmer, dass ich jetz selbst zu jemandem geworden bin,
der seinen Mitmenschen etwas vormachet, und auch dem Menschen, den ich am
meisten liebe. Ich würde es als meine größte Niederlage bezeichnen, dass
ich plätzlich in einer Lage bin, in der Liebe und Lüge voneinander abhängig
sind, das waren für mich eigentlich immer zwei völlig unvereinbare Dinge,
ich meinte eigentlich immer die Grundlage für jede Liebe sind,
Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Vertrauen. All das kann ich Orsino im Moment
nicht geben…
Mein
größter Traum wäre es, meinen Bruder wiederzufinden, ich habe irgendwie
immer das Gfühl, wenn er bei mir wäre, würde alles gut werden. Er bedeutet
mir einfach so viel…
Außerdem wäre ich natürlich
gerne mit Orsino zusammen, ich glaube die Beziehung mit ihm könnte mich
wirklich glücklich machen.
Was ich mir noch wünsche, ist, ein Instrument zu lernen, am liebsten erst mal
Klavier und später Saxophon.
Meine
größte Angst ist, dass mit der ganzen Verkleiderei jetzt ein
Teufelskreislauf angefangen hat, aus dem ich nicht mehr rauskommen, ich glaube
je länger ich warte, desto schwieriger wird, es, irgendwann die Wahrheit zu
sagen.
Hätte
ich eine große Summer Geld zur Verfügung würde ich gerne viel reisen,
allerdings weiss ich nicht, ob ich je wieder ein Schiff betreten kann…
Ansonsten würde ich einen großen Teil sparen, es kann oft unerwartet
Situationen geben, in denen Geld nötig ist.
Ich
habe keine Krankheiten, zumindest physisch. Psychisch leide ich wahrscheinlich
momentan an einer Kreuzfahrt-Phobie… und – so würde es vielleicht Bertold
Brecht ausdrücken – an „Melancholie und Kopfschmerzen“ über meine
momentane Situation. Ich glaube Melancholie gehört in der letzten zeit schon
fast zu meinem Charakter…
Am
meisten Zeit verbringe ich mit Orsino, zum einen weil ich sein Diener bin, zum
andern, weil ich es natürlic auch drauf anlege, oft in seiner Nähe zu sein.
Mein
Ziel im Stück ist es, auch wenn ich das natürlich nicht hundertprozentig
beeinflussen kann, Orsinos Frau zu werden.
Am
wenigsten leiden kann ich olivia, ich finde sie arrogant und oberflächlich.
Außerdem passt sie natürlich nicht in meine Traumvorstellung von Orsino und
mir als Paar, weil er sie ja toll findet. Später entwickle ich fast so was
wie Mitleid für sie, was mich eigentlich auch schon wieder nervt, weil ich
gar nicht will, dass sie mir leidtut.
Am
meisten verbunden fühle ich mich Orsino und meinem Bruder Sebastian, da
Sebastian aber so lange nicht bei mir und für mich da ist, brauche ich Orsino
umso mehr, da ich glaube, er ist der einzige, der mich, wenn er die Wahrheit
kennen würde, wirklich verstehen würde.
Malvolio
finde ich äußerst abstoßend, sowohl äußerlich als auch von seinem
Charakter her. Ich glaube, er denkt sehr egoistisch und missgönnt anderen ihr
Glück.
Illyrien
ist für mich anfangs ein Ort der Einsamkeit, wird jedoch durch Orsino und vor
allem als ich meinen Bruder wiedergefunden habe, eine Art wahrgewordener
Traum.
Ich
würde gerne ein langes gespräch mit Orsino führen, besser gesagt sehr
viele, und zwar über absolut alles, was mir gerade in den Sinn kommt. Mit ihm
will ich meine Gedanken teilen und ich will zu allem seine Meinung wissen.
Ins
Meer schmeißen möchte ich eigentlich niemanden endgültig, höchstens ab und
zu William, weil er nicht gleich alles einfacher gemacht hat. Und Sir Andrew
als ich Angst habe, von ihm aufgespießt zu werden.
Messalina
ist meine Heimat, aber nichts, wohin ich unbedingt zurück muss.
Illyrien
bedeutet für mich „hier gehöre ich hin“.
Ich
zähle schon die Tage bis zu meiner Hochzeit mit Orsino.
Wenn
ich Musik höre fühle ich mich verstanden.
Liebe
ist gleichzeitig das am meisten behandelte und trotzdem am wenigsten ergründete
Thema der Welt.

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