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17. Februar 2009

Neue Fotos!

Generalprobe

Premierenfeier

16. Februar 2009

Premiere in der Aula des Heinrich-Schliemann-

Gymnasiums Fürth

17-18. Feb. 2009

Weitere Aufführungen

 

Vorverkauf in den Pausen oder unter:

karten@schulspiel.de 

 

 

 

Was, Ihr wollt?

 

Ich bin Viola di Fumero, 23 Jahre alt.
Bei unserem Schiffbruch habe ich meinen Bruder Sebastian verloren und weiss nicht, ob er überhaupt noch lebt, jetzt bin ich hier in Illyrien ganz alleine und verkleide mich als Mann um am Hof des Herzogs Orsino akzeptiert zu werden und für ihn arbeiten zu können.
Seit ich den Herzog das erste Mal gesehen habe, fühle ich mich schon zu ihm hingezogen, es hat jedoch eine Weile gedauert, bis ich mir selbst eingestanden habe, dass ich ihn liebe. Ich glaube, wir haben sehr viel gemeinsam, wir teilen die Liebe zur Musik und haben glaube ich eine ähnliche Vorstellung von Liebe. Wenn ich ehrlich zu ihm sein könnte, könnten wir uns sicher stundenlan unterhalten.
Als sein Diener kann ich viel Zeit mit ihm verbringen, es fällt mir allerdings wahnsinnig schwer, meine Gefühle zu verheimlichen, gerade, wenn Orsino mit mir über die Liebe spricht, würde ich am liebsten endlich über meine Gefühle reden… Es ist so schwierig, wenn es niemanden gibt, dem man sich anvertrauen kann!!
Gott sei Dank versteht Orsino die Andeutungen nicht, die manchmal aus mir herausbrechen, weil er denkt, ich sei ein Mann, also käme er nie auf die Idee, ich würde über ihn sprechen.
Zu allem Unglück beauftragt Orsino mich dauernd, die Gräfin Olivia aufzusuchen, und zu versuchen, sie mit ihm zu verkuppeln, weil er sie supertoll findet. Es fällt mir total schwer, Orsinos Anliegen bei Olivia überzeugend rüberzubringen, weil ich das ganze ja gar nicht will, ich liebe den Herzog ja selbst, und außerdem finde ich, dass Olivia überhaupt nicht zu ihm passt. Sie ist viel zu oberflächlich und wahnsinnig arrogant, ich glaube sie kennt keinen Unterschied zwischen lieben und besitzen, das würde Orsino bestimmt auch schnell merken, falls er mit ihr zusammen kommen sollte.  Orsino ist viel feinfühliger und sensibler, und hat einen Sinn und Gespür für Poesie, Musik… Und wenn er mir in die Augen schaut… ich könnte mich stundenlang in seinen Augen verlieren, in diesem Blick ist so viel Tiefe, so viel Gefühl…  Auch wenn das paradox klingt, weil Orino ja gar nicht die Wahrheit über mich weiss, bin ich mir sicher, dass ich mich noch nie jemandem so verbunden und so nahe gefühlt habe. Neben dem, was ich für ihn fühle, kommt mir plätzlich alles so banal vor, was ich sonst für Liebe gehalten habe…
Seit ich in diesen Männerkleidern stecke, habe ich die Angewohnheit entwickelt, sie ständig anzufassen, oft hilft mir das, überzeugender von mir als Mann zu sprechen, manchaml passiert es auch unbewusst. Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu dieser Verkleidung – einerseits hindert sie mich daran, vom Herzog als Frau erkannt und geliebt zu werden, andererseits brauche ich sie unbedingt, um überhaupt in seiner Nähe zu sein, denn er hat nur männliche Angestellte, und wer weiss, ob ihn ohne diese Verkleidung überhaupt kennengelernt hätte.
Ich gehe oft etwas geduckt mit eingezogenem Kopf, es gehört sich für einen Diener, seine Stellung des Untergebenen auch in seiner Körpersprache deutlich zu machen. Außerdem habe ich, vor allem unter vielen Leuten, immer etwas Angst, doch als Frau enttarnt zu werden, wenn jemand misstrauisch wird. Es schwingt bei allem, was ich tue, immer ein bisschen das Gefühl mit, etwas verstecken zu müssen. Ich fühle mich oft passiv und ausgeliefert, hin- und hergeschubst von meinen eigenen Gefühlen, und von den Erwartungen und Forderungen, die andere an mich richten. Unglücklicherweise verliebt sich nämlich Olivia ausgerechnet in mich, und so habe ich das Gefühl, ohne es zu wollen gleichzeitig dem Orsino und Olivia das Herz zu brechen.
Als sich am Ende endlich alles aufklärt und alle Missverständnisse aus dem Weg egräumt sind, merke ich erst so richtig, wie groß der Stein war, der mir jetzt vom Herzen fällt.

Mein liebstes Kleidungsstück ist das blaue Kleid, das ich bei meiner Ankunft in Illyrien trage, weil es das einzige Stück Heimat ist, das mir geblieben ist, auch wenn ich es leider nicht tragen kann, solange ich in meiner Männerrolle stecke.
Eine große Schwäche habe ich für Erdbeeren, am liebsten mit viel Sahne, und da Orsino sehr reich ist, komme ich an seinem Hof glücklicherweise ab und zu in diesen Genuss. Ein Lieblingsgetränk habe ich nicht.

Als mein „Motto“ würde ich die Textstelle „Ich bin nicht, wer ich bin“ bezeichnen. In diesem Satz kommt mein ganzes Dilemma zum Ausdruck. Ich kann nicht sein, wer und wie ich eigentlich bin. Diesen Satz kann ich jedoch sagen, ohne mein Geheimnis direkt preizugeben, da er nicht eindeutig sagt, was genau ich meine.

Zu einer Art Hobby ist es für mich geworden, am Strand zu sein, spazieren zu gehen oder nur zu sitzen, am liebsten bei schlechtem Wetter und Regen. Es ist irgendwie bescheuert, weil dann zu allem Schmerz über meine unerfüllte Liebe zu Orsino auch noch alle Erinnerungen an den Schiffbruch und den Verlust meines Bruders wiederhochkommen, aber irgendwie zieht es mich immer wieder dorthin. Am schönsten ist es, ganz alleine am Meer zu sein, nirgends sonst habe ich das Gefühl, unbeobachtet zu sein. Es ist so paradox, aber obwohl mich in dieser Einsamkeit so viele Gefühle und Erinnerungen und auch so viel Schmerz überkommen, fühle ich mich dadurch frei… Alle diese Gefühle kann ich ja sonst nie wirklich zulassen…
Auch die Musik ist für mich sehr wichtig geworden, oft ist es so, als ob alle meine  Gefühle in einer Melodie zum Ausdruck kommen und – auch das klingt etwas seltsam – ich fühle mich von einem Lied verstanden. Da ich niemanden habe, mit dem ich ehrlich sprechen kann, brauche ich die Musik umso mehr.

Am meisten hasse ich eigentlich Lügen, sowohl gegenüber anderen als auch gegenüber sich selbst, umso schlimmer, dass ich jetz selbst zu jemandem geworden bin, der seinen Mitmenschen etwas vormachet, und auch dem Menschen, den ich am meisten liebe. Ich würde es als meine größte Niederlage bezeichnen, dass ich plätzlich in einer Lage bin, in der Liebe und Lüge voneinander abhängig sind, das waren für mich eigentlich immer zwei völlig unvereinbare Dinge, ich meinte eigentlich immer die Grundlage für jede Liebe sind, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Vertrauen. All das kann ich Orsino im Moment nicht geben…

Mein größter Traum wäre es, meinen Bruder wiederzufinden, ich habe irgendwie immer das Gfühl, wenn er bei mir wäre, würde alles gut werden. Er bedeutet mir einfach so viel…
 Außerdem wäre ich natürlich gerne mit Orsino zusammen, ich glaube die Beziehung mit ihm könnte mich wirklich glücklich machen.
Was ich mir noch wünsche, ist, ein Instrument zu lernen, am liebsten erst mal Klavier und später Saxophon.

Meine größte Angst ist, dass mit der ganzen Verkleiderei jetzt ein Teufelskreislauf angefangen hat, aus dem ich nicht mehr rauskommen, ich glaube je länger ich warte, desto schwieriger wird, es, irgendwann die Wahrheit zu sagen.

Hätte ich eine große Summer Geld zur Verfügung würde ich gerne viel reisen, allerdings weiss ich nicht, ob ich je wieder ein Schiff betreten kann… Ansonsten würde ich einen großen Teil sparen, es kann oft unerwartet Situationen geben, in denen Geld nötig ist.

Ich habe keine Krankheiten, zumindest physisch. Psychisch leide ich wahrscheinlich momentan an einer Kreuzfahrt-Phobie… und – so würde es vielleicht Bertold Brecht ausdrücken – an „Melancholie und Kopfschmerzen“ über meine momentane Situation. Ich glaube Melancholie gehört in der letzten zeit schon fast zu meinem Charakter…

Am meisten Zeit verbringe ich mit Orsino, zum einen weil ich sein Diener bin, zum andern, weil ich es natürlic auch drauf anlege, oft in seiner Nähe zu sein.

Mein Ziel im Stück ist es, auch wenn ich das natürlich nicht hundertprozentig beeinflussen kann, Orsinos Frau zu werden.

Am wenigsten leiden kann ich olivia, ich finde sie arrogant und oberflächlich. Außerdem passt sie natürlich nicht in meine Traumvorstellung von Orsino und mir als Paar, weil er sie ja toll findet. Später entwickle ich fast so was wie Mitleid für sie, was mich eigentlich auch schon wieder nervt, weil ich gar nicht will, dass sie mir leidtut.

Am meisten verbunden fühle ich mich Orsino und meinem Bruder Sebastian, da Sebastian aber so lange nicht bei mir und für mich da ist, brauche ich Orsino umso mehr, da ich glaube, er ist der einzige, der mich, wenn er die Wahrheit kennen würde, wirklich verstehen würde.

Malvolio finde ich äußerst abstoßend, sowohl äußerlich als auch von seinem Charakter her. Ich glaube, er denkt sehr egoistisch und missgönnt anderen ihr Glück.

Illyrien ist für mich anfangs ein Ort der Einsamkeit, wird jedoch durch Orsino und vor allem als ich meinen Bruder wiedergefunden habe, eine Art wahrgewordener Traum.

Ich würde gerne ein langes gespräch mit Orsino führen, besser gesagt sehr viele, und zwar über absolut alles, was mir gerade in den Sinn kommt. Mit ihm will ich meine Gedanken teilen und ich will zu allem seine Meinung wissen.

Ins Meer schmeißen möchte ich eigentlich niemanden endgültig, höchstens ab und zu William, weil er nicht gleich alles einfacher gemacht hat. Und Sir Andrew als ich Angst habe, von ihm aufgespießt zu werden.

Messalina ist meine Heimat, aber nichts, wohin ich unbedingt zurück muss.

Illyrien bedeutet für mich „hier gehöre ich hin“.

Ich zähle schon die Tage bis zu meiner Hochzeit mit Orsino.

Wenn ich Musik höre fühle ich mich verstanden.

Liebe ist gleichzeitig das am meisten behandelte und trotzdem am wenigsten ergründete Thema der Welt.