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Ich bin Herzog
Orsino von Illyrien und mit meinen 36 Jahren gerade frisch
verliebt...in Gräfin Olivia.
Sie ist für mich das
absolute Idealbild von Frau und verfolgt mich Tag und Nacht im Traum. Meine
Liebe zu ihr akzeptiert kein NEIN und trotz der zahlreichen Körbe, die sie
mir schon gegeben hat, werde ich die Hoffnung, dass sie sich letztendlich
doch für mich entscheidet, keinesfalls aufgeben. So schicke ich immer
wieder Liebesboten zu ihr, auch wenn ich mich damit vor meinen Angestellten
allmählich lächerlich mache.
Aber erst einmal zurück
zu meiner Wenigkeit:
Meine poetischen Reden
unterstütze ich gerne mit meinen Händen. Mein Gang ist stolz und autoritär,
mit erhobenem Kopf, wie es sich für einen Herzog gehört und beflügelt von
meiner Hoffnung und Liebe. Ich spreche stets betont und klar, wobei ich
gerne höchst poetisch ausschweife. In meiner Freizeit höre ich ausschließlich
Musik, lese auch mal, unterhalte mich mit meinem Diener Cesario, schaue
Rosamunde Pilcher und träume von meiner Liebsten.
Mein liebstes
Kleidungsstück ist mein Hut, den mir mein Vater (Gott hab ihn seelig!)
vererbt hat und mit dem ich schon durch Dick und Dünn gegangen bin.
Außerdem esse ich für
mein Leben gern Lasagne, zu der ich französischen Rotwein genieße.
"Damit finde ich
mich nicht ab" ist mein Motto, denn für die Liebe muss man kämpfen!
Am meisten hasse ich
es, hilflos meinen Gefühlen ausgeliefert zu sein.
Die größte Niederlage
meines Lebens war, Olivia nicht bekommen zu haben. Ihre Sturheit kränkt
meinen männlichen Stolz, außerdem bin ich der Herzog, also ein Glücksgriff
und ich kann ihre Abweisung einfach nicht verstehen - zumal ich bisher alle
Frauen, die ich haben wollte, auch bekam.
Mein größter Traum
ist es natürlich, mein Glück zu finden, was für mich bedeutet, mit der
Frau, die ich liebe zusammen zu sein, Musik und die Natur um mich zu haben.
Große Angst habe ich
vor der Einsamkeit, vor der Stille und davor, meine Gefühle zu verlieren,
die mir zwar so manchen Schmerz bereiten, ohne die mein Leben jedoch leer wäre.
Da ich weder Geschwister noch richtige Freunde habe und meine Eltern
beide tot sind, muss ich einfach eine Frau finden, die mit mir zusammen alt
wird. Wenn es zu still wird um mich herum, dröhne ich mich mit Musik zu,
bis es schmerzt. Ich bekomme kaum genug davon, mich einfach fallen zu lassen
und der schönen Melodie zu lauschen, die auch die unangenehmen Gefühle
wieder aufwühlt...
Eine noch größere
Summe Geld, als ich eh schon habe, würde ich verschenken oder
wegschmeißen, denn Geld macht aus Erfahrung nicht glücklich. Allzu gern würde
ich meinen Palast gegen ein einfaches Häuschen mit Rosengarten eintauschen!
Ja, ich bin krank: vor
Liebe...ich leide an Schlaflosigkeit, verliere mich langsam selbst und, wenn
Musik eine Droge wäre, wäre ich drogensüchtig! Weiterhin leide ich an
Realitätsverlust und füge mir selbst Schmerzen zu, indem ich mich mit
immer der gleichen Musik, die ich eigentlich schon gar nicht mehr hören
kann, quäle.
Am meisten Zeit
verbringe ich mit Cesario, der ja mein Diener ist, Olivia also meine
Botschaften überbringen muss und mit dem ich mich sehr gut
unterhalten kann.
Mein Ziel im Stück ist
es, die Liebe und mich selbst (wieder) zu finden. Ganz alleine würde ich
eingehen wie eine welke Rose!
Am wenigsten leiden
kann ich Antonio, der in einer Seeschlacht gegen mich gekämpft und
mich besiegt hat. Er wird von meinen Leuten gesucht und steht hier in
Illyrien auf der schwarzen Liste.
Am meisten verbunden fühle
ich mich Cesario. Irgendetwas an ihm zieht mich an, er versteht mich und auf
sonderbare Weise fühle ich mich von ihm angezogen. Er ähnelt mir und
teilweise erkenne ich mich selbst in ihm. Er ist fast wie ein kleiner
Bruder für mich, der noch viel über die Liebe von mir lernen kann.
Malvolio muss der
spiesige Haushofmeister von Olivia sein. Ein lästiger Kerl, der meine
Botschaften kaum zu ihr vorlässt!
In Viola, als ich
erkenne, dass sie sich hinter Cesario versteckt, verliebe ich mich sofort!
Jetzt verstehe ich auch all die ungewohnten Gefühle von vorher...diese
Vertrautheit...es ist Liebe - und zwar eine, die ich bisher noch nicht
kannte!
Illyrien ist mein Königreich.
Ich war noch nie woanders, bin hier geboren und werde hier wahrscheinlich auch
sterben.
Die Liebe...ergreift völlig
Besitz von einem, lässt einen unzuverlässig und wechselhaft werden, man
ist nicht mehr man selbst und kann nie genug davon kriegen. Sie ist das wohl
schönste, was es gibt, auch wenn sie manchmal wehtut.
Ein langes Gespräch würde
ich gerne mit Olivia führen. Sie soll mir erklären, warum sie mich so hart
zurückgewiesen hat und sich dann für Sebastian entscheidet, der keinerlei
Erfahrung hat.
Ins Meer würde ich höchstens
Antonio schmeißem, dass er mal nachfühlen kann, wie ich und meine Leute
sich damals kurz vor dem Ertrinken gefühlt haben.
Messalina ist ein für
mich unbekannter Ort.
Illyrien bedeutet für
mich meine Existenz und Heimat.
Ich zähle schon die
Tage, bis es Frühling wird und die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht.
Wenn ich Musik höre,
verfalle ich in einen regelrechten Rauschzustand.
Liebe ist Unsinn, sagt
die Vernunft!

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